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ISO 9001:2008

Bleizusätze für klassische Fahrzeuge

Mitte der 70er Jahre wurde in mehreren Stufen europaweit der Bleizusatz im handelsüblichen Benzin per Gesetz reduziert. Damals gab es noch an den Zapfsäulen entweder „Normal“, „Super“, oder „ Diesel“. Dann wurde per Gesetz die Oktanzahl (Klopffestigkeit) an der Zapfsäule veröffentlicht. Der Prozess bis zur völligen Abschaffung des bleihaltigeren Gemisches dauerte bis Mitte der 90er Jahre (Italien, Griechenland,…).
 
In der ersten Hysterie hiess es zunächst, man müsse jetzt auf Fahrzeuge mit niedriger verdichteten Motoren umsteigen oder einen Bleizusatz etwa bei jeder 2. Tankfüllung beimengen.
Ganz neue Fachausdrücke kamen ins Gespräch:
- Gehärtete Ventilsitze
- Nachstellen des Zündzeitpunktes
- Leistungsschwund
- Defekte Katalysatoren wenn sie mit bleihaltigem Benzin benutzt wurden.
Alles falsch!?
 
Es ist richtig, dass der früher (teilweise) im Benzin befindliche Bleigehalt zur besseren Schmierung der Ventile auf den Sitzringen beigetragen hat. Dies ist jedoch vernachlässigbar, wie die Erfahrung der letzten 25 Jahre zeigt. Bei Fahrzeugen mit einem Motor, wo die Ventilsitze aus dem vollen Blockmaterial ausgefräst wurden, ist das anders. Aus bearbeitungstechnischen Gründen handelt es sich hier tatsächlich um einen „weicheren“ Stahl.
 
Der Bleianteil im Benzin bewirkt folgendes:
1. Eine gewisse Schmierung bei den mechanisch beanspruchten Teilen (Ventilen)
2. Herunterkühlen der Verbrennungstemperatur
 
Der Verbraucher sollte jedoch dazu wissen, dass auch heute noch im Benzin Anteile von Blei enthalten sind. Es darf jedoch die Grenze von 0,15 Gramm je Liter nicht überschritten werden. Durch Hinzuzufügen von hochoktanen  Kohlenwasserstoffverbindungen (MTBE = Methyltertiärbutyether) wurden die ursprünglichen Bleianteile im Benzin zwischenzeitlich mehr als kompensiert. Das heisst, dass mittlerweile die Verbrennungswerte und damit die Qualität des Benzins besser ist als in den 70er Jahren.
 
Zusammengefasst heisst das, dass es sicherlich nach wie vor für einen Motor aus der Vorkriegszeit ratsam ist zusätzlich einen Bleizusatz zu verwenden (um eine noch bessere Schmierung zu erreichen). Bei Fahrzeugen, deren Motoren zwar noch aus dem vollen gefräst, bei denen aber schon bessere Materialien verwendet wurden (z.B. Austin-Healey, Jaguar ab XK, Triumph, Porsche 356, etc.) halten wir einen Zusatz nicht für notwendig. Dennoch bleiben Glaubensfragen bestehen und auch wir können nur eine Meinung abgeben, wenn auch mit Fakten angereichert.
Hans Füglistaler
Eidg. dipl. Automechanikermeister
 
 
Volante AG, Classic Car Engadin, San Bastiaun 67, CH-7503 Samedan - St.Moritz, T: +41 81 851 0570, F: +41 81 851 0579, info@volantecar.ch