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 Mille Miglia 2009

Hoch sind die Erwartungen und die Vorfreude auf die Mille Miglia, soll es doch „La corsa più della del mondo“ sein, sagt die Werbeabteilung. Wir sind gemütlich einen Tag vor dem Start angereist und haben unser Auto geprüft und auch noch ein wenig geübt. Schliesslich sass ich das erste Mal in einem Maserati 150 S von 1956. Nach dem Motorstart muss man sich erst an den hohen Leerlauf und das Getöse eines Rennwagens gewöhnen. Und an „CCC“. Wenn etwas schiefgeht, ist es fast immer „Clutch, Cooling, Charging“. Ja, die Kupplung kommt auf 3 Millimeter. Sonst aus und neu starten. Muss man üben. Von den anderen „C“ dann später.
Die Mille Miglia geht tatsächlich über 1'500 bis 1'600 km in drei Etappen: Nachtetappe Brescia – Ferrara ca. 3.5 Stunden. Tagesetappe Ferrara – Roma 12 Stunden. Und dann die grosse Fahrt morgens bis in die Nacht hinein von Roma zurück nach Brescia, 16 Stunden Fahrfreude bei Wind und Wetter.
375 Fahrzeuge gehen an den Start und wir kämpfen uns wacker über Schläuche, wo die italienischen Kollegen 370 Meter in 32 komma null null Sekunden zu fahren pflegen. Reine Übungssache. Ein paar Stunden üben jeden Samstag im Sommer, dann geht das. Nicht für uns. Wir suchen noch Startzeiten und arbeiten an Schlauchtakten im Sekundenbereich. Morgens um 3 Uhr fallen wir in Ferrara in die Betten um am nächsten Morgen nach Rom zu ziehen. Die Fahrt geht durch wunderbare Landschaften, warm, Sonne. Wir geniessen es. Unser Maserati röhrt durch die Gegend. Wenn wir gefühlt richtig schnell unterwegs sind zeigt ein Blick aufs GPS die Realität: 90 km/h. Wow! Bei gefühlten 310 Stundenkilometern, kurz vor dem Abheben, wir müssen das Auto auf den schlechten Strassen oft wieder einkorrigieren – was sagt das GPS? 140 km/h. Wie relativ doch Realitäten sind. Die Weiterfahrt nach Rom geht über den Appeninn, links und rechts Schnee, wie am Berninapass. Wir fühlen uns fast zuhause.
Apropos Cooling und Charging. Im Stau in den Städten sind wir sofort auf 105 Grad Kühlwassertemperatur und müssen den Ventilator einschalten um unseren Motor zu behalten. Dann dauert es nicht lange und die Batterie ist leer. Das Auto ist eben zum Fahren auf Rennstrecken gebaut, wie damals 1956 auf der Hochgeschwindigkeits-Mille Miglia. Dementsprechend ist auch der kleine und leichte Generator ausgerichtet. Der lädt nämlich kaum. Da hilft nur ein gutes Mechanikerteam im Hintergrund, welches mittags und abends jeweils eine frisch geladene Batterie mitbringt. Aufwendig, aber wir müssen uns daran gewöhnen. Die Alternative in der Stadt und im Stau ist Motor aus und schieben. Haben wir über drei Tage auch so gemacht.
Ein Highlight ist die Ankunft in Rom, Petersdom. Um Mitternacht möchten wir eigentlich nur noch schlafen. Aber jetzt steht Blockabfertigung an. Unsere Autos werden in Gruppen mit Polizeieskorte durch Rom geführt. Offiziell, um zum Parkhaus zu fahren. Inoffiziell haben die Polizisten und Polizistinnen (!) auf ihren Motorrädern soviel Freude an der Sache, dass daraus eine ausgedehnte Stadtrundfahrt wird. Zivilisten mit der Trillerpfeife stoppen und die MM-Teilnehmer mit 80 Sachen durch die Strassen jagen. Oder vielleicht auch nur mit 50, fühlt sich bei unserem offenen Auto halt wie 80 an. Um 3 Uhr morgens liegen wir in den Betten.
Am Samstag geht es auf die Langstrecke Roma - Brescia. Beste Laune an Bord. Bald haben wir es geschafft und ahnen schon, dass die Nachfreude über die sportliche Leistung nachhaltig sein wird. Kulinarisch und hotelseitig bietet die Fahrt wenig bis nichts. Die Mittags- und Abendbuffets sind spärlich und Zeit zum Essen gibt es ohnehin keine. Nein, es ist ein reinrassiges und hochkompetitives Autorennen. Keine Höchstgeschwindigkeit und im Rahmen der Verkehrsregeln. Aber es geht zur Sache. In den Städten und Dörfern herrscht während der drei Tage Mille Miglia ohnehin der Ausnahmezustand. Die Strassenränder sind gesäumt von Schaulustigen, die Füssgängerzonen der Städte für die Durchfahrt der Mille Miglia reserviert. Polizei und Freiwillige leisten eine Herkulesarbeit mit der Sicherung der Strecke. Unvergesslich die Szenen, wo nachts in einer engen Kurve die Zuschauer mit Grill, Gartentisch und Wein sitzen, die Partyszene und die Strasse hell erleuchtet. Hier fahren die Autos schön langsam und man kann alles gut beobachten und geniessen. Viva l’Italianità!
Nachts die Einfahrt nach Brescia. Bei Startnummer 369 ist die Party schon gelaufen wenn wir kommen. Aber gut, man muss sich halt nach vorne dienen. Wir schaffen Platz 191 bei 292 Angekommenen. Gar nicht so schlecht und sicher besser als Nando Pagliarini 1956, der ja gar nicht erst ankam. Ganz vorne liegen Ferrari/Ferrari auf Platz 1 und Sielecki/Hervas aus Argentinien auf Platz 2. 2 Strafpunkte Unterschied zum Sieg. Das entspricht 2 Hundertstelsekunden auf dem Schlauch! Vic und Jan Martin Jacob liegen mit Austin Healey 100S auf Platz 118, gefolgt von Marco Trevisan und Urs Ernst auf Platz 120. Eine respektable Leistung, die schon einiges an Übung erfordert.
Markus Kirchgeorg

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 Scrutineering - technische Checks vor dem Start
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 Startnummer 369
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 Im Appeninn vor Rom
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 Im Cockpit
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 Im Stau - Auto schieben ist angesagt
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 Rom Petersplatz
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| Volante AG, Classic Car Engadin, San Bastiaun 67, CH-7503 Samedan - St.Moritz, T: +41 81 851 0570, F: +41 81 851 0579, info@volantecar.ch |
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